Eine Überraschung in Metz

Drei Frauen unterwegs

Auf der Tour von der Schweiz nach Hause kamen meine Mutter und ich auf eine Idee. Bei meiner Tante stand der 65. Geburtstag an. Und weil der 60. durch die Pandemie nicht groß gefeiert wurde, haben wir uns diese Überraschung überlegt. Sie sagte immer, dass sie es so toll findet, wie wir unterwegs sind. Haben uns viele Orte angesehen. Aber am Ende haben wir uns für Metz entschieden. Zum Einen wegen der Entfernung zum Saarland, zum anderen, weil wir so viel von dieser Stadt gehört haben und dachten "Wir müssen uns davon überzeugen". Tatsächlich war jeder von uns schon mal dort, aber wir haben keine bleibenden Erinnerungen.

Wir machten ab, dass ich nicht in der Überraschung erwähnt werden sollte. Sie sollte einfach nur um 10 Uhr an Fronleichnahm mit Koffer voll Freizeitkleidung vor ihrem Elternhaus stehen (sie lebt in Baden-Württemberg). Ab da sollte alles beginnen. Natürlich haben wir über ein Jahr lang überlegt, was und wie und alles. Ich kam also mittwochs mit dem Alois im Saarland an. Den hab ich allerdings versteckt geparkt, da wir nicht wussten, ob sie vielleicht am Haus meiner Mutter vorbei kommt. Haben da schon alles soweit gepackt, dass wir nur noch das letzte bisschen einpacken mussten und dann konnten wir losfahren. Ich hab für jeden von uns noch eine Verpflegungstasche gepackt. Weil unterwegs bekommt man ja immer Hunger und Durst.

Wir haben die Begegnung gefilmt. Aber ich werde keine Aufnahmen von ihr hier veröffentlichen. Dafür von der Stadt und dem Alois.

Die Begrüßung war überwältigend. Sie war so überrascht, wirklich. Konnte es gar nicht glauben. "Wie? Wir fahren jetzt mit dem Wohnmobil? Ich war noch nie in einem Wohnmobil." Sie durfte also zuerst ihren Koffer auspacken und alles in den Schrank packen "Hab ich jetzt überhaupt die richtigen Sachen mit?" Dann musste der Koffer wieder zurück ins Haus. Während sie kurz weg war, haben wir die Sektgläser ausgepackt und mit ihr angestoßen (ich natürlich alkoholfrei). Sie wusste gar nicht, wie ihr geschah. Plötzlich saß sie auf dem Beifahrersitz und wir fuhren los. Weil die Strecke nach Metz so kurz ist, haben wir mal ein bisschen Umweg gemacht und sind knapp 1,5 Stunden gefahren. Waren erst in eine ganz andere Richtung unterwegs. Aber wir waren wieder alle drei begeistert von der Weite Frankreichs.

In Metz selbst konnten wir natürlich nicht mehr verbergen, wohin unsere Reise ging. Um auf den Campingplatz zu kommen, egal aus welcher Richtung, muss man durch die gesamte Stadt fahren. Mit ein paar Hilfen von Schildern (das Navi war irgendwann überfordert) kamen wir auch am Campingplatz an. Dieser Campingplatz liegt direkt an der Mosel. Er ist vielleicht nicht luxuriös, aber die Stellplätze sind gerade und sauber. Die Lage macht ihn einfach besonders. Wir bekamen den Platz 106 (den würde ich jederzeit wieder nehmen) am Ende der Reihe. Nicht weit vom Sanitärgebäude entfernt, aber auch nicht weit vom Eingang. Wir hatten genug Platz, um gemütlich zu sitzen und über die Hecke sah man die Mosel. Klar hätten wir auch schöner, direkt am Ufer stehen können, aber es war ein sehr warmes Wochenende und wir standen den ganzen Tag im Schatten und es war mehr als nur erträglich.

Nach dem Einrichten, Aufstellen von Tisch und Stühlen und bisschen Erfrischung haben wir uns auf den Weg in die Stadt gemacht. Tatsächlich ist man innerhalb von wenigen Minuten in der Innenstadt. Wir haben uns entschieden (meine Mutter hat es rausgesucht, da meine Tante und ich Gärten sehr lieben), den Botanischen Garten zu besuchen. Wir dachten, die Kilometer seien nicht viel, aber in der Hitze... Was wir nicht ahnten, waren all die Grünanlagen zwischendrin. Während wir an der Straße vorbei gingen, spielte plötzlich typisch französische Musik. Es war wie im Film.

Endlich im Botanischen Garten angekommen, waren wir zuerst enttäuscht, da die paar Pflanzen am Anfang sehr mickrig aussahen. Haben uns aber entschlossen, einmal durch zu gehen und wurden nicht enttäuscht. Überall sah man sehr alte Bäume mit Stämmen so dick, dass man nicht mal zu zweit drumrum fassen kann. Diese Ursprünglichkeit, dass nicht alles gleich und super ordentlich aussah, gefiel uns sehr gut. Überall waren Sitzmöglichkeiten. Ob es eine Bank war, Stühle oder gemütliche Gartenstühle. Über den wirklich schön angelegten Spielplatz gingen wir dann zur Orangerie, in der es richtig große Pflanzen gab. In einem Teil war ein alten Schiff mit eingebaut. Nach anfänglicher Skepsis waren wir von dem ganzen Park sehr begeistert.

Auf dem Rückweg suchten wir eigentlich nach einem Bus, aber der nächste, der in unsere Richtung ging, war auch weit weg und so gingen wir den Weg zurück und fanden noch zwei weitere Parks, in denen wir uns ausruhten. Es war einfach richtig heiß. Am Alois haben wir dann gesessen und ewig viel und lange geredet. Irgendwann hab ich mit dem Essen angefangen. Wir konnten noch sehr lange draußen sitzen. Nach 23 Uhr ist uns aufgefallen, wie müde wir dann doch waren und sind schlafen gegangen.

Morgens haben wir uns langsam fertig gemacht. Es war schon wieder wunderbares Wetter und wir frühstückten gemütlich im Schatten und machten einen Plan, was wir sehen wollten. Der Plan war, Richtung Kathedrale zu gehen. Nicht auf direktem Weg, allerdings mit sehr viel zu Sehen unterwegs.

Egal, in welche Richtung man sah, überall war es schön und sauber. Die üppigen Blumenkästen an den Brücken und den Seiten. Die verschiedenen Brücken. Was man alles von den Brücken sah. Und natürlich die ganzen alten Gebäude und Gassen. Auch wenn viele Menschen in Metz unterwegs waren, kam es einem nie überfüllt vor. Man hatte immer viel Platz um sich.

Die Kathedrale hat mich teilweise an den Kölner Dom erinnert. Zumindest am Eingang. Innen war sie komplett überwältigend. Die Fenster, der Innenraum, die Höhe. Es gab auch viele Info-Tafeln, die in drei Sprachen beschriftet waren und ich habe einiges gelernt. Eine Sache gab es, die mich verwundert hat. Es gibt in der Kathedrale einen Souvenir-Stand. Hab ich noch in keiner Kirche gesehen. Er war geschlossen. Also wer nach Metz geht, sollte unbedingt diese Kathedrale besichtigen.

Wir sind weiter durch die Straßen geschlendert. Gegen Mittag waren wir in einer kleinen Gasse und haben ein kleines italienischen Hinterhof-Restaurant entdeckt. Da wir hungrig waren, sind wir reingegangen. Und es war ein Volltreffer. Der Kellner war so nett und lustig. Zwischendrin wurde mal gesungen. Wir wurden königlich bewirtet. Die Nudeln, die ich hatte waren unglaublich. Ich glaub, so kann ich die nie nachkochen. Aber es hat nicht nur mir so gut geschmeckt. Die anderen beiden hatten noch einen Nachtisch. Ich wollte mir den Geschmack noch erhalten. 

Auf dem Rückweg zum Campingplatz sind wir weiter durch die Gassen spaziert und haben viel entdeckt. Gefühlt war an jeder Ecke etwas Besonderes zu sehen. Wir haben leider keine schönen Magnete gefunden. Auf jeder Reise besorgen wir ja einen Magneten. Ich hatte wohl am Campingplatz an der Rezeption welche gesehen. Haben dann gesagt, wir besorgen die dort. Es war dann doch sehr warm und wir waren doch sehr erschöpft. Leider sagten die Frauen an der Rezeption, dass es die Magnete im Touristenbüro gibt, das direkt an der Kathedrale ist. Ich war so platt und konnte keinen Schritt mehr in die Stadt gehen. Die Frauen erzählten, dass es nur fünf Minuten zu Fuß sind. Wir haben es nicht geglaubt. Meine Mutter und Tante sind dann später noch mal los. Einfach, weil sie unbedingt diese Strecke austesten wollten und noch mal los wollten. Und tatsächlich, mit der richtigen Gasse sind die beiden wirklich nur fünf Minuten bis zur Kathedrale unterwegs gewesen. 

Am Abend haben wir wieder lange gesessen und geredet. Über so viele verschiedene Themen. Es wurde wieder sehr spät. Zwischendurch sind wir zum Sonnenuntergang noch einmal über den Platz spaziert. An der Mosel vorbei. Der Platz ist tatsächlich viel weitläufiger, als man mein, wenn man so nah am Anfang steht. Es gibt sogar ein kleines Restaurant, das wir leider nicht besucht haben. Vielleicht beim nächsten Mal. Als es ganz dunkel war, sind wir noch mal kurz vom Platz runter, da wir uns den beleuchteten Kirchturm noch einmal anschauen wollten. Der Platz war abgesperrt und es gab einen Security, der alles bewacht hat. So fühlt man sich gleich sicherer.

Der letzte Morgen kam doch sehr schnell. Wir haben gefrühstückt und doch noch lange einfach da gesessen. Irgendwann mussten wir doch alles zusammenräumen. Während die beiden gespült haben, hab ich im Alois alle Betten abgebaut und alles, was so rum lag, weggeräumt. 

Wir sind auf dem direkten Weg heim gefahren. Es war auch eine schöne Strecke. Nur eben nicht so lang, wie die Hinfahrt. Wir waren noch lange nicht bereit, den Tag zu beenden und haben weitere Stunden bei meiner Mutter am Tisch gesessen und geredet.

Dieser Ausflug war ein neues Kennenlernen von uns dreien. Es hat Spaß gemacht und war mal ganz anders als alle anderen Treffen, die wir die letzten Jahre hatten. Am Ende hat alles gepasst. Der Ort, die Menschen, das Wetter, das Essen. Ich wünsche wirklich jedem, Zeit mit Menschen zu verbringen und diese Menschen neu kennen zu lernen.

Galerie

Lass uns noch einmal alle Fotos in voller Größe anschauen! Es ist immer so schön, die Erinnerungen groß und lebendig zu sehen. Viel Spaß dabei!

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